Für weitere Informationen kontaktieren Sie mich gerne per e-mail: bilderflut@julierose.de

Diese Ausstellung ist dem Handy gewidmet.
Sie ist eine Liebeserklärung an mein Handy und Ergebnis meiner Untersuchung zum Thema Kommunikation und Umgang mit dem Mobiltelefon.

Die Datenmengen, die für das alltägliche Kommunizieren mit dem Handy entstehen,
die beobachteten Veränderungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation, die unzähligen Möglichkeiten, die das Mobiltelefon bietet, die „Zweckentfremdungen“ und das Anliegen, meinen ganz subjektiven Blick durch das Handy-Display zu zeigen, haben mich zu dieser Ausstellung angeregt.

Im Vordergrund stehen die Texte und Bilder, die mit dem Handy produziert werden können.

Die Exponate habe ich im Sinne der Vermittlung des Phänomens „sms“ und meiner Art, mit dem Handy zu fotografieren, umgesetzt.

Dabei bin ich nicht im Digitalen geblieben, sondern habe wieder analogisiert.
Das ist für mich weder Rückschritt noch Medienbruch - vielmehr habe ich die digitalen Möglichkeiten meinen Bedürfnissen entsprechend weiter entwickelt.

So habe ich alle sms, die ich bekommen habe, konserviert, indem ich sie mit dem Füller in meine Kalender abgeschrieben habe.

Seit über fünf Jahren sammle ich diese Daten - entstanden ist dabei eine Chronik meiner alltäglichen Kommunikation.
Die oft sehr persönlichen Mitteilungen, die eigentlich zum Löschen gedacht sind, die ich aber nicht einfach löschen konnte, haben mich im Frühjahr 2004 dazu bewegt, sie zu archivieren.
Und ich kann ihnen so etwas von dem Persönlichen zurück geben.

Außerdem konnte ich die Entwicklungen in der Sprache dieser kurzen Texte gut ablesen: die Gruß- und Abkürzungsvarianten genau so wie die Smileys, die immer mehr eingesetzt wurden, auch, um Ironie in die Mitteilungen bringen zu können, interessierten mich einerseits.
Das Ausmaß der Kommunikation über das Medium „sms“, das auch dann eingesetzt wird, wenn eine andere Form der Kommunikation eigentlich angebrachter und viel effektiver wäre, verdeutlichten sich mir andererseits.


zu den Exponaten:

Für diese Ausstellung habe ich die 2112 sms aus dem Jahr 2008 abermals abgeschrieben – auf große Papierbahnen, um die Datenmengen und die Mittelungseigenarten heraus zu arbeiten.
Mit Bleistift als Kommentar zum Widerspruch zwischen Konserviertem und Flüchtigem.
Und in dem Bewusstsein, einer Kultur anzugehören, die viel zu viel Privates öffentlich macht.

Als Empfängerin all dieser sms habe ich mich in dem Baumstumpf mit meinem sms-Gruß „verewigt“: LG.Ju.

Die Postkarten-Türme dokumentieren die genaue Anzahl der sms, die ich in den Jahren 2004 bis 2008 bekommen habe:
Wenn jede sms eine Postkarte gewesen wäre...

Der Frage nachgehend, ob die mobile Kommunikation wirklich nur Freiheit bietet oder die Gesellschaft nicht doch an Ketten legt, habe ich für die Raumgestaltung eben Ketten eingesetzt.

Aus Günter Burkarts Buch „Handymania – wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat“ (Campus Verlag, 2007) habe ich die Zitate – dieses Buch hat meine Arbeit sehr inspiriert.

Die „Handyfunktionen“ kommentieren die Reduzierung und Minimierung unsere Alltagsgeräte auf das Handy – wirklich sehr praktisch, aber...

Auch mit der Handy-Kamera habe ich Daten gesammelt: ich habe Momente festgehalten, die mir etwas bedeuten.
Mal als Skizze, meist als visueller Fund, als wertvoller Schatz.

Auch diese Bilder werden in der Projektion über den Spiegel analogisiert.

Mit der Handy-Kamera kam ich ganz nah an das heran, was ich in diesen Augenblicken empfand.
Über das Handy-Foto sage ich etwas über mich persönlich aus; ich kommuniziere meine Art zu sehen.
Und genau die ganz eigene Handy-Ästhetik ist in eine Ästhetik, die mich berührt.
Es ist die Ästhetik des Flüchtigen.

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